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13. März 2013

auf die Probe stellen …

eben zurück von der ersten Probe zu "IN SICH(T)". Der Kirchenraum – klingt und klingt und klingt. Die "Truppe" spielt und spielt und spielt … werden wir mit den zwei vorgesehen Stunden fürs Konzert durchkommen? Wir beginnen, die ersten Motive, Klänge, Zusammenhänge im wahrsten Sinne des Wortes in den Raum zu stellen und schon sind zwölf Minuten vorbei. Dabei hat die Baßklarinette eben erst einmal durchgeatmet, die Gitarre eine Saite gestrichen, zwei drei Wörter sind von der Säule herab erklungen und der Perkussionist streift suchend entlang den Kirchenbänken, findet Hohlstellen im Holz, die er mit bloßen Händen zum tönen bringt …




























"Die Interpreten reagieren, werden in ihrem Vortrag vielleicht langsamer, löchriger, zögernder, aber auch agressiver, bestimmter und lassen sich auch von dichter werdenden Klängen in unvorhergesehene Pausen drängen. Das wieder besänftigt die Aktivitäten der Klangmaschinen. 

Ein abwechselndes, ineinander verflochtenes Geben und Nehmen, das sich zur holistischen Ganzheit des Stückes fügt."

Dieser kurze Auszug aus den Spielanleitungen der Partitur setzt sich schnell in Realität um, bewahrheitet sich wie von selbst. 

Der Raum leitet uns.

12. Dezember 2012

"Wir stoßen beim Umgraben auf unsere Erinnerungen"


An der Partitur zu "IN SICH(T)" wird fleissig gearbeitet: 




















Graphische Teile ergänzen den großen technischen Abschnitt, in dem festgelegt wird, wie eine 7-Kanal Installation Klangbewegungen quer durch den Kirchenraum am Zentralfriedhof spannt, über die vor-komponierte Motive im Raum erklingen, die, von der jeweiligen Aktivität abhängig, von digitalen und analogen live elektronischen Komponiersystemen weitergesponnen, abgelenkt, „umgefärbt“ werden.



23. Februar 2012

Buddha cannot sit quietly anymore (1)

für Stimme, Obi-Gong und live electronics

Uraufführung am 4. März im Elektro Gönner ab 21h, Mariahilferstrasse 101 / 1060 Wien.
Für mich eine Novität, da ich in diesem Stück zum ersten Mal eine genaue Auswahl meiner analogen Elektro-Module mit der digitalen Domaine vermenge und die Kommunikation zwischen diesen beiden Welten noch durch Stimme und Obi-Gong angereichert werden wird.

Warum?

Resonanzphänomene, Selbstoszillation, übersteuerte Filter, die uns je nachdem in Abgründe oder in den Siebten Klanghimmel schleudern, sind im digitalen Bereich schwer bis gar nicht herstellbar. Andrerseits hält der Computer das Cockpit zur (intuitiven) Kontrolle für so einen Überschallflug bereit. Also ein ideales Match: Es gibt keine Klang erzeugenden Quellen im analogen Bereich, sondern nur eine raunende Spekulation, was passiert, wenn gewisse Feedbackschleifen über verschlungene Wege kurzgeschlossen und von genau gezirkelten Steuerspannungen aus dem Computer domptiert werden sollen.


Aus der in den letzten Tagen rapide gealterten Schaltskizze geht hervor, dass sich das meiste um ein Resonanzfilter dreht, dessen Eingang von einem AnalogDelay gefüttert wird, selbiges aber erst einmal Material zum delayen benötigt und daher vom Eingang des eben vorhin erwähnten Resonanzfilters  gespeist wird. Damit der Reigen sich nicht so einfach kurzschließt, wird ins Feedback des Delays noch das selbsteigene Signal gesteckt, nachdem es zwischendurch in einem anderen Modul durch Schärfung seiner Kanten, Verlust von ein paar Bits und schwankende Samplingraten einiges mitgemacht hat. Das wiederum hat interessante Auswirkungen auf den Eingang des Resonanzfilters und so setzt sich ein Reigen in Gang, dessen Tanz zu immer neuen Schwingungen führt, dessen Farbbänder mehr oder weniger meinen Zügeln gehorchen.

Buddha sitzt auf einem Pulverfass …

Ausschnitt aus der Partitur




17. Januar 2012

4/17 HAIKU

draussen schneit es (in Wien), da erinnere ich mich …
4/17 Haiku
 viersiebzehntel Haiku by Bruno Liberda 

30. November 2011

UBV's

für die Ausstellung "un&sichtbar" - wien modern 2002, entstand die Serie der UBV's 
(Unbekannte besondere Vorkommnisse)





  





aus dem Katalog:


vom Schauen zum Klingen

AUF/BRUCH; "Man hört nicht auf die tausend Geräusche der Natur um sich herum, man lauscht zuwenig auf die so vielfältige Musik, die uns die Natur überreich anbietet.“ Claude Debussy hebt somit (1909) auch alle anderen musikalischen Parameter in den Rang der in den letzten 300 Jahren fast alleine vorrangigen Tonhöhe. Dieses Verschieben von Prioritäten bedeutet nicht nur neue Provokationen der Schrift. Das tonhöhen-orientierte Denken und die damit verbundenen Instrumente und Formen verlieren wieder an Bedeutung; alles gerät ins Rutschen: Von der Konzeption (die abermalige Wandlung des Begriffes ‚Orchester‘) bis zur Aufführungspraxis (nehmen Sie doch das hier angebotene „Musiktheater“ in Ihre eigene Sphäre mit).

Pictophonics
Blickend Hören; Standfoto eines Klangfilms, durch aktive An-Schauung wieder in Bewegung gesetzt, sich – zigzagando! – zu einer Reihe von Lese- und Hörarten entfaltend. Sei es, dass der Klang den willkürlich über das Bild schweifenden Blick zügelt, sei es, dass geordnetes Schauen Unklarheiten im Klang strukturiert oder immer neue Mischungen aus beidem ein „Sound-Image“ im Kopf entstehen lassen. Das TonBild als Vermittler zur klingenden Tatsächlichkeit. Zauberhafte Instrumente (vom herabfallenden Laub bis zum herabfallenden Bösendorfer …) werden durch Energiekörperchen – die mehrdimensional tänzelnd, mit- und gegeneinanderschwimmend neue Tonkontexte herstellen – zum Schwingen angeregt.

Durch wiederholtes „Lesen(= Innehalten) wird Zeit aus allen Dimensionen akkumuliert (nicht verloren – was immer das heißt): viele Episoden werden zum Sternhaufen der Jetzt-Pluralität. Natur wird überblendet von Fiktion, die den Status von Wirklichkeit annimmt: Virtualität erhebt in der Musik immer Anspruch auf Realität.

Unfinished im Zirkel der Töne 
Musik ist die Verkörperlichung der in den Klängen selbst gelegenen Intelligenz (Hoëné Wronsky, Mitte 19. Jhdt.): Anstoß zum alchemistischen Prozess einer Ideen-Metamorphose, die die Komplexheit von Klang aus einem materiellen Gestus (einem Zeichen – einer Bewegung) in ephemere Schwingungen verwandelt. 


Träumendes Denken vs. Klingen; „AUF-ZEICHNUNG“ als „VOR-BILD“ der Interpretation und als ihr Nebelhorn bei den daraus resultierenden Interferenzen in Raum und Zeit. Die digitalen Apparate des 3. Milleniums erlauben den KomponistInnen zu umfassenden Interpreten zu werden und so den Kreis selbst zu schliessen. Kombiniert mit der in Jahrhunderten gewonnenen Virtuosität an mechanischen Instrumenten bieten sie den im von Debussy aufgerissenen Universum Reisenden das benötigte Werkzeug an und bescheren uns frei gestaltbare Mittel, neue Objekte unseres Ausdruckswillens zu schaffen!

Wie immer auf der Suche  …  im FORT/SCHRITT (The Unknown);                        Ihr.

Der Sprung ins Freie

fixed Media



Der Sprung ins Freie by Bruno Liberda

21. November 2011

siebenmal gefärbt

Mein wichtigstes Vorwort

Beim Lesen des Stückes bekommen einzelne Blätter eine Präferenz vor anderen, werden einzelne Ausschnitte wichtiger oder lösbarer oder interessanter als andere erscheinen. Konsequenterweise ergibt sich für jede(n) InterpretIn eine andere Schwerpunktsetzung, eine andere Auswahl von „MOTIVEN“. Diesen Motiven soll mit Vehemenz nachgegangen werden: wiederholend artikuliert, loop-artig immer wieder interpretiert, dabei leichte Veränderungen erfahrend und in trancehafter Versenkung immer recyclet, um die Figur, den Klang, den Rhythmus genau zu ziselieren (vergessen wir dabei nicht einen wichtigen Aspekt der Quantität: Eine Schafherde, ein Schwarm Vögel etc. … sind eine misteriöse Ansammlung von Varianten eines bestimmten Prototyps, als empfände die Natur Abscheu vor exakter Reproduktion oder ist unfähig, sie herzustellen). Diese Motive können auch Fragestellungen zur Partitur sein, die so unlösbar scheinen, dass durch deren Verbalisierung und Wiederholung einerseits eine Erleichterung eintritt, andrerseits eben eigene musikalische Formen entstehen.

Die gesamte Partitur ist Reflexionsmechanismus, der bei den Interpreten die „richtigen“ Resonanzen auslöst. Die Partitur ist nicht mehr verlängerter Ordnungsanspruch der Vergangenheit (einer damals gehabten Idee), dem die Gegenwart und die Zukunft entglitten ist (ein sehr abgewandeltes Zitat aus: Risikogesellschaft. Auf den Weg in eine andere Moderne von Ulrich Beck; ebenda:) Reichtümer kann man besitzen, von Risiken ist man betroffen. In Klassen- und Schichtlagen bestimmt das Sein das Bewußtsein, während in Gefährdungslagen das Bewußtsein das Sein bestimmt.

… oder anders ausgedrückt: Die Suche nach einem radikaleren Paradigmenwechsel zerstört die „schönen Bilder“ und hebt das Schreiben über die Partitur in den Rang der eigentlichen Partitur.

Die Absicht?

In der esoterischen Weltanschauung wird das Universum in sieben Seinsebenen aufgeteilt. Die niedrigste ist die physische Materie, Grundlage aller Tätigkeiten und Veränderungen. Auf dieser Ebene wird die Resonanz auf den Kraftstrom, den ein schöpferischer, Willen-aussendender Ursprung freigesetzt hat, als Ton hörbar. Er vermittelt die Absicht des verursachenden Ursprungs. Doch der hörbare Ton enthält nicht nur die ursprüngliche informative Absicht, er ist auch von den physischen Grenzen und besonderen Eigenschaften des resonierenden Instruments geprägt. Die Obertonreihe, die der resonanzfähige Ton hervorbringt, ist niemals eine vollständige, einige der Teiltöne sind intensiver, andere fehlen ganz. Das führt zur besonderen Klangfarbe und Qualität des Tones. Wir hören nie den „wirklichen Klang“ – nur seine momentane Resonanz durch die Einwirkung unhörbarer Energien (vergleichen wir es mit dem Begriff der Quanten in der Physik, so entbehrt die Idee der sprunghaften Freisetzung von Energie plötzlich jeglichen esoterischen Mäntelchens!). Diese resonante Energie ist nun auch auf den ganzen Denk- und Fühlprozeß beim Lesen dieser Partitur auszuweiten – als „Gefährdungslage“ zu begreifen.

Ich Komponist sende – Du MusikerIn reflektiere. Nieder mit dem Produktionsprozeß, re-agiere, wandle, forme DEIN Sein!

Hinterfragen ist wichtiger als das hohe C. Unschuld beschützt niemand!


Wien, 2008